Erleidet der Kryptostandort Schweiz Schiffbruch?

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Auch viele Brancheninsider mag es überrascht haben: Der Zuger Regierungsrat lehnte unlängst ab, Start-ups im Zuger Cryptovalley, welche im Zug der Covid 19-Krise in Probleme geraten, mit staatlichem Risikokapital unter die Arme zu greifen. Dies ist umso erstaunlicher, weil es der Zuger Finanzdirektor war, der dem Regierungsrat den entsprechenden Vorschlag vorgelegt hatte.

Der Zuger Kassenwart dürfte gute Gründe für sein Ansinnen gehabt haben. Die Kryptobranche hat sich zu einem ernstzunehmenden Standort- und Wirtschaftsfaktor für Zug und die Schweiz entwickelt. Covid 19 wird in der Beschleunigung der Digitalisierung in allen Wirtschaftsbereichen auch der Blockchaintechnologie zusätzlichen Auftrieb verleihen.

Aber wird der Standort Schweiz im weltweiten Wettbewerb um die besten Talente, die innovativsten Lösungen und um genügend Risikokapital ihren führenden Platz verteidigen können? Wohl kaum, müsste die Antwort lauten, wenn auf Bundesebene kein Paradigmawechsel stattfindet.

Die Finma hat schon früh ihre Verantwortung als Regulator wahrgenommen und im Kryptobereich Rahmenbedingungen geschaffen, welche Innovationen grundsätzlich zulassen. Regelungsbedarf besteht heute in wettbewerbsrelevanten Details, wie ein folgendes Beispiel zeigt. Es fehlt das Verständnis (und die Incentivierung dazu) von neuen Klassifizierungen von Token oder Geschäftsmodellen, welche Banken helfen, Sicherheit im Umgang mit diesen neuen Instrumenten zu gewinnen. Entsprechend blockieren Banken in diesem Bereich innovative Unternehmen mit entsprechenden Ideen. Dies geht soweit, dass es für ein Schweizer Kryptounternehmen sogar im kryptofreundlichen Zug immer noch nicht möglich ist, ein Bankkonto zu eröffnen. Selbst die Zuger Kantonalbank hat sich inzwischen zurückgezogen. Das risikoaverse Verhalten der Banken kippt ins Absurde, wenn beispielsweise ein Start-up, der Kryptoausgabegeräte analog zum Bankomaten herstellt, bei keiner hiesigen Bank ein Konto eröffnen kann. Das Geschäftsmodell des Start-ups ist der Gerätebau. Mit Kryptowährungen hat dies rein nichts zu tun.

Das Beispiel bildet kein Einzelfall. Im Fokus stehen die Schweizer Banken, denen grundlegendes Wissen fehlt. Ihre Zurückhaltung und ihre mangelnde Bereitschaft, von der Finma Klarheit in wesentlichen, praxisrelevanten Fragen zu verlangen, gefährdet nicht nur den Verbleib der Kryptobranche in der Schweiz, sondern die Bedeutung der Banken in der Schweiz. In wenigen Jahren wird es Kryptounternehmen geben, welche keine Banken mehr brauchen. Der Kryptobereich macht zehn Prozent der Blockchainbranche aus. Beide wachsen weltweit stark und werden weit über die Finanzindustrie hinaus in allen Sektoren an volkswirtschaftlicher Bedeutung gewinnen.

Andere Länder gehen mit den regulatorischen Herausforderungen wesentlich praxisnaher um. Liechtenstein hat aus der Not eine Tugend gemacht und ein Regelwerk für die Kryptoindustrie definiert, welches sehr praxisnah auf der Basis von echten Business Cases Klarheit schafft. Die Finma hat sich im Bereich der Geldwäschereikontrolle diesbezüglich einen Namen gemacht. Weiter ist sie leider bis jetzt nicht gekommen.

Bundesrat und Parlament sind gut beraten, die Finma schnell in die Verantwortung zu nehmen. Die Bankensicht ist in der Finma nach wie vor zu dominant. Hier muss der Paradigmawechsel ansetzen. Wenn Banken sich Innovationen im Kryptobereich verweigern, weil ihnen diesbezüglich die nötige Erfahrung fehlt, entsteht ein gefährlicher Teufelskreis. Denn ein Finanzplatz Schweiz ohne Krypto-Know-how wird nicht der Finanzplatz der Zukunft sein. Die Warren Buffets und Bill Gates der nächsten Generationen werden in neue Technologien investieren oder diese selber bauen. Krypto und Blockchain sind gesetzt. Dies sollte die Schweiz zur Kenntnis nehmen, ansonsten sogar das Zuger Kryptovalley als Farce entpuppen wird.

Source: Sean Prescott | LinkedIn

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